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22.07.2026

Ratenkredite werden teurer – und sind schwieriger zu bekommen

Wer dringend einen Kredit braucht, tut sich zunehmend schwer. Kunden mit guter Bonität hingegen erhalten besonders attraktive Zinsen. Angesichts dieser Situation lässt sich so mancher Vermittler zu fragwürdigen Tipps für Verbraucher hinreißen….

Max Herbst: Experte für Baufinanzierung und Zinsentwicklung
Max HerbstExperte für Baufinanzierung und Zinsentwicklung
Erstellt am 22.07.2026, Aktualisiert am 22.07.2026
Frau hält eine Kreditkarte und blickt mit gerunzelter Stirn auf ihr Smartphone

2,0 Prozent. Höher sollte die Inflation in der Eurozone eigentlich nicht liegen. Die mannigfaltigen Krisen in der Welt bewirken allerdings, dass die Teuerungsrate derzeit deutlich höher liegt. Die Europäische Zentralbank (EZB) reagiert darauf inzwischen vergleichsweise schnell – und erhöhte zuletzt im Juni die Leitzinsen.

Die Folgen für die Verbraucher und die Banken sind bereits spürbar. Denn steigen die Leitzinsen, verteuern sich private Kredite – und das Kreditvolumen geht entsprechend zurück. Doch was bedeutet das genau? Und gibt es vielleicht sogar Profiteure einer solchen Entwicklung?

Gibt es Kredite nur noch für besonders solvente Kunden?

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat dazu vor Kurzem eine Erhebung des Vergleichs- und Maklerportals Verivox vorgestellt. Diese kommt zu dem Ergebnis, dass Banken inzwischen wesentlich mehr Kreditanträge ablehnen als noch vor einigen Jahren.

Grundsätzlich bedeuten weniger Kreditverträge für Banken immer auch weniger Geschäft – und damit eine Entwicklung, die in den Bilanzen nicht besonders gut aussieht. Der Geschäftsführer von Verivox, Oliver Maier, sieht darin aber auch etwas Gutes: Denn zumindest Kunden mit besonders guter Bonität würden nun von den Banken ganz besonders günstige Zinsen erhalten. Dahinter stecke die Idee, dass die Banken lieber auf Marge verzichten, als ihre Bilanzen mit einbrechenden Zahlen bei der Kreditvergabe zu belasten. Schlechter sehe es hingegen für klamme Kunden aus: Wer eine überschaubare Kapitaldecke hat (und deshalb wirklich auf das Darlehen angewiesen ist), gehe bei der Kreditvergabe oft leer aus, weil die Banken bei ihm (oder ihr) ein zu hohes Ausfallrisiko sehen – oder muss das hohe Risiko mit horrenden Zinsaufschlägen bezahlen.

Auch bei Verivox, das nicht nur Vergleiche anbietet, sondern seinen Nutzern auch Ratenkredite vermittelt, ist die mögliche Zinsspanne zwischen den angebotenen Darlehen immens. Bei einer Kreditlaufzeit von 60 Monaten reichen die Werte von 0,68 bis 14,90 Prozent pro Jahr. Je nach Bonität zahlt ein Kunde für seinen 20 000 Euro-Kredit also eine monatliche Rate zwischen 339 und 465 Euro. Die gesamte Zinslast liegt zwischen 346 Euro und 7.902 Euro.

Bei mittlerer Bonität liegt die durchschnittliche Rate nach den Daten der FMH-Finanzberatung, die auch die Angebote von Verivox im FMH-Ratenkreditvergleich listet, bei 392 Euro und die gesamte Zinssumme bei 3.528 Euro. Bei guter Bonität reduziert sich der Mittelwert auf 386 Euro pro Monat und die Zinskosten von 3.139 Euro.

Fragwürdige Strategie

Überraschend war für mich allerdings der Tipp des Verivox-Geschäftsführers, wie Verbraucher mit mäßiger Bonität doch noch zu dem begehrten Darlehen kommen können. Maier rät dazu, den Kredit nicht alleine zu beantragen, sondern Freunde oder Verwandte mit ins Boot zu holen. Auf den ersten Blick erscheint das plausibel – vor allem, wenn die zusätzlichen Kreditnehmer finanziell bessergestellt sind, als der eigentliche Kunde.

Ich persönlich würde von einem solchen Vorgehen allerdings dringend abraten. Wer von der Bank selbst mit hohen Risikoaufschlägen keinen Kredit mehr bekommt, sollte das als Warnsignal verstehen und versuchen, die eigenen Finanzen zu konsolidieren. Wer hingegen Freunde und Familie in das Schlamassel mit hineinzieht, verschärft im schlimmsten Fall die eigene Überschuldung – und belastet zudem die Beziehung zu diesen Menschen.

Dass ein Vermittler dennoch solchen Schritt empfiehlt, deutet aus meiner Sicht darauf hin, dass das eigene Geschäft wichtiger ist als eine verantwortliche Kundenbetreuung.

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