Wohin geht die Reise bei den Bauzinsen?
(Fast) alles ist möglich
Der gegenwärtige Zustand der Welt macht viele Gewissheiten aus vergangenen Zeiten hinfällig – auch im Bereich der Baufinanzierung. Was Bauherren und Kaufinteressenten jetzt wissen müssen.


Früher war zwar nicht alles besser. Wenn es aber darum ging, eine Prognose zur Entwicklung der Bauzinsen aufzustellen, hatten die Experten dieser Welt es deutlich leichter.
Noch vor wenigen Jahren reichte es für eine valide Vorhersage, sich die Bundesbankzinsen anzusehen und einen Blick auf die Inflationsrate zu werfen. Wenn man dann noch die wirtschaftliche Entwicklung in die Betrachtung einstellte, konnte man aus diesen drei Faktoren relativ verlässlich ermitteln, wie teuer oder günstig Baufinanzierungen in der näheren Zukunft sein würden.
Wie Donald Trump die Zinsen beeinflusst
Diese Zeiten sind bis auf weiteres vorbei. Das liegt nicht zuletzt an den Entwicklungen in den USA. Die unberechenbare Politik von US-Präsident Donald Trump hat längst nicht nur Auswirkungen auf die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten, wo man mit immensen Staatsschulden und einer hohen Inflation zu kämpfen hat. Auch in Europa sind die Auswirkungen der Trumpschen Politik deutlich zu spüren.
Hinzu kommen die Verwerfungen durch die hybride russische Kriegsführung, die auch in Deutschland zu deutlich mehr Investitionen – und damit auch höheren Staatschulden – führen wird.
All diese Faktoren gilt es zu berücksichtigen, um die künftigen Entwicklungen bei den Bauzinsen vorhersagen zu können – ein anspruchsvolles Unterfangen.
Welche Rolle spielt die EZB?
Deutlich geringer als häufig angenommen ist hingegen der Einfluss der Leitzinsen auf die Bauzinsen. Das gilt sowohl für die europäischen als auch für die amerikanischen Leitzinsen: Der Chart belegt, dass die Leitzinsen kaum einen Einfluss auf die Baufinanzierung haben.

Deutlich wichtiger ist es, wie Großinvestoren, also Pensionsfonds, Versicherungen oder große Fondsgesellschaften die Sicherheit ihrer Geldanlage in Staatspapieren einschätzen – und damit die Kreditwürdigkeit der Geldgeber. Vor diesem Hintergrund war es ein sehr bemerkenswerter Schritt, dass eine namhafte Ratingagentur die Kreditwürdigkeit der USA gerade heruntergestuft hat. Sollten andere Agenturen diesem Beispiel folgen und Geldanlagen in US-Staatsanleihen für riskant erklären, würden die Renditen auf die Staatsanleihen steigen.
Ähnliche Überlegungen gelten für die europäischen Staaten und natürlich auch für Deutschland – insbesondere angesichts des enormen Schuldenprogramms der neuen Bundesregierung. Mittelfristig wird sich nun zeigen müssen, ob die Investoren davon ausgehen, dass Deutschland das Ruder herumreißen und die Wirtschaft mit den immensen Investitionen ankurbeln kann – oder eben nicht.
Ein bisschen Zuversicht ist erlaubt
Ein Blick auf die aktuellen Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen (Stand: 15. Oktober 2025) unterschiedlicher Länder stimmt da (noch) einigermaßen optimistisch.
Während es in den USA bereits 4,0 Prozent Zinsen auf Staatspapiere gibt, rentieren Staatsanleihen in Großbritannien sogar mit 4,51 Prozent. In Frankreich fallen immerhin 3,36 Prozent an, in Italien 3,38 Prozent; in Kanada erhalten Anleger für Staatspapiere 3,1 Prozent. Rekordwerte erzielen indische (6,51 Prozent) und brasilianische Staatsanleihen (11,95 Prozent).
Deutschland steht mit 2,58 Prozent Rendite auf die Bundesanleihen damit hervorragend da. Lediglich China (1,75 Prozent) und Japan (1,63 Prozent) können noch günstiger Schulden machen.
Was bedeutet das für die Entwicklung der Bauzinsen?
Aktuell gehen die Investoren offenbar davon aus, dass es Deutschland schaffen kann, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen und seine Schulden ordentlich zu bedienen. Dennoch bleiben die enormen neuen Verbindlichkeiten nicht ohne Folgen.
Vor diesem Hintergrund scheint es realistisch, für die Zukunft von 2,5 bis 3 Prozent Rendite auf die deutschen Bundesanleihen auszugehen. Dies würde bedeuten, dass die Hypothekenzinsen auf Werte zwischen 3,5 bis 4,0 Prozent steigen könnten.
Diese Einschätzung gilt natürlich nur, wenn es zwischenzeitlich keine finanzpolitischen Katastrophen gibt. Und auch das ist derzeit leider durchaus im Bereich des Möglichen.
Kaufinteressenten tun daher gut daran, den Erwerb nicht auf die lange Bank zu schieben und – wenn möglich – relativ zeitnah zu finanzieren.
Die folgenden Grafik verdeutlicht den Zusammenhang zwischen der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe mit den Bauzinsen der letzten zehn Jahre.

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